Conny und Matthias um die Welt

Pelzrobben, Pottwale und Pfannkuchen

 

C: Du, irgendwie ist gruselig hier auf dem Parkplatz.

M: Wieso?

C: Na, hier stehen noch ein Auto und ein Camper außer uns. Beide haben das Licht aus. Keiner kocht oder räumt oder so. Wer weiß, wer da in dem Auto ist im Dunkeln. Ich find’s gruselig zu dem Dixieklo zu laufen.

 

So beginnt der erste Abend auf der Südinsel Neuseelands. Am nächsten Morgen klingelt der Wecker bereits bei Sonnenaufgang. Hier im neuseeländischen Winter sind die hellen Tagesstunden knapp. Die Nacht war ohne Einbrecher oder sonstwas ganz unaufregend in unserem Opi, wie wir den Camper getauft haben. Opi, weil er wie so ein Glatzkopf mit zwei Ohren aussieht, wenn die Sonne von hinten auf ihn scheint.

Und was wir nachts nur erahnen können, breitet sich bei beginnendem Tageslicht jetzt vor uns aus: ein großer See direkt vor unserem Camper. Mit Enten und hügeligen Wiesen am anderen Ufer. Ohhh so schön. Schnell einen Tee gekocht, Cornflakes gegessen und los geht’s. Eine Stunde Fahrt nach Kaikoura trennt uns von Pottwalen. Hoffentlich. Und so schlängeln wir uns an der Küstenstraße entlang. Links das Meer, rechts orange Hügel, vorn Schnee bedeckte Berge. Oh Mann. Die Sonne geht weiter auf. Baustelle. GO SLOW. STOP. Hier in Neuseeland gibt es nur ganz selten Ampeln an Baustellen. Meistens steht ein echter Mensch und hält abwechselnd das STOP oder GO Zeichen in Fahrtrichtung. Und wir warten. Und warten. Und warten. Oh guck mal Conny, Robben! Stimmt, neben dem Highway, direkt auf den Steinen im Meer faulenzen Robben rum. Pelzrobben, wie wir später erfahren werden. Und zwar viele. GO. Die menschliche Ampel winkt uns freundlich. Wir dürfen weiterfahren, wollen aber gar nicht, denn Robben gucken ist ja auch schön. Weiter geht die Fahrt. Pünktlich um 11 Uhr geht es los: Sicherheitseinweisung für das Speedboot, dann geht es zackig aufs Boot und los. Mit hoher Geschwindigkeit fahren wir aufs offene Meer. Es ist sehr windig. Und da warten wir vor der Küste. Hohe Wellen schaukeln unser Boot richtig durch. Und dann pffffffffffff. Eine Fontäne. Das heißt: WAL!!! Mit Highspeed nähern wir uns, aber nicht zu nah. Wir wollen ihn sehen, aber nicht stören. Und da zeigt er sich in seiner ganzen majestätischen Riesenhaftigkeit. Pottwale können 45-60 Minuten tauchen ohne Luft zu holen. Dann kommen sie für 5-10 Minuten nach oben, füllen ihr Blut und ihre Lungen wieder mit Sauerstoff und tauchen dann wieder unter. Aber kurz bevor sie wieder in der Meerestiefe verschwinden, zeigen sie sich noch einmal mit ihrem Kopf, dann ihrem gebogenen Rücken, und ganz zum Schluss sieht man wie zum Abschied ihre Schwanzflosse winken. Das Ganze dürfen wir noch vier weitere Male bestaunen. Diese riesigen Wale sind so hoch wie Gebäude. Wahnsinn! Ich platze gleich vor Glück! Auf der Rückfahrt zum Hafen sehen wir noch ganz kleine Delfine. Delfine haben wir im Iran, dann mehrfach in Indonesien getroffen. Die gehören jetzt zu unseren Reisebegleitern, glaube ich.

Wir gehen von Bord und genehmigen uns einen kleinen Snack an der Küste. Frischen Fisch im Sandwich. Hmmm. Lecker. Dann geht die Reise mit Opi weiter nach Westen ins Inselinnere. Zu einer Campsite, die einen schönen Blick haben soll. Und ja, woahooo. Hat sie. Wir sind in den Alpen. Im Österreich-Wanderurlaub. Und der Besitzer der Lodge ist super nett. Er empfiehlt uns, noch auf den Aussichtspunkt zu gehen. Man könne die Schnee bedeckten Berge auf der einen und das Meer auf der anderen Seite sehen. Die Kühe sollen wir einfach ignorieren.

Und so wird aus dem geplant entspannten Nachmittag auf der Wiese mit einem Buch … nix. Wir laufen durch das erste Kuhgatter, und da kommen sie schon angelaufen die Kühe und gucken, wer denn jetzt vorbeischaut. Wenn eine ganze Herde auf mich zuläuft, wird mir dann doch anders. Wir beeilen uns, das gegenüberliegende Ausgangstor schnell aufzumachen und wieder zu verschließen. Geschafft. Es wartet ein kleinerer Fluss, den wir überqueren müssen. Schnell finden wir einen Übergang weiter oben. Dann müssen wir den Fluss nochmal überqueren. Auch problemlos. Wir legen Steine vom Ufer als Tritte in den Fluss und sind schnell auf der anderen Seite. Dann sehen wir keinen richtigen Weg mehr. Wir müssen hoch auf den Berg. Aber wie? Es gibt Viehtrampelpfade. Und wo ist der Weg hin? Hmmm. Die Sonne wird bald untergehen. Maximal eine Stunde haben wir noch. Komm, lass uns einfach hier hoch. Die Richtung stimmt doch. Ich habe meine Bergtrekkingschuhe an. Matthias Sportschuhe. Wir schlängeln uns den Berg nach oben. Matthias sagt immer wieder: hoch geht es ja gut. Aber wie kommen wir runter? Ich rase nach oben. Ich hab in den letzten Tagen zu wenig Sport gemacht, ich muss Energie verlieren. Komm, Matthias, da oben müssten wir eigentlich das Meer sehen. Wir kämpfen uns querbeet auf den Berg. Kein Meer zu sehen. Ich laufe noch durch eine kleine Ansammlung von Bäumen und da sehe ich die Spitze, den Aussichtspunkt. Die Sonne fliegt nur so nach unten gen Horizont. Wir beeeilen uns. Und da, da haben wir den Weg wiedergefunden und hasten hoch. Und stehen endlich am Aussichtspunkt. Wahnsinnsschön! Eine klare Sicht und wir fühlen uns wie in Österreich. Nur dass das Kuhglockenläuten fehlt. Herrlich!

Runter zu nehmen wir aber den Weg. Der ist wahnsinnig lang, denn er mäandert immer um den Berg rum, den wir im Steilflug erklommen haben. Wir kommen wieder an dem Flussbett an. Und wieder werden Steine für Tritte gelegt. Mehrmals. Ich glaube fünfmal machen wir den ganzen Spaß. Das Ufer ist auf der anderen Seite manchmal steil. Matthias, wenn ich drüben ankomme, nimmst du dann meine linke Hand und ziehst mich hoch? Klappt. Solche Sachen haben wir in den letzten Jahren immer wieder geprobt. Am Ende des Treks gehen wir noch ein letztes Mal durchs Kuhgatter. Aber die schlafen alle anscheinend schon. Müde von den tollen Erlebnissen an einem einzigen Tag sind wir auch. Wir gehen in die Campingküche und machen uns Pfannkuchen zum Abendbrot.

Kein anderer Tourist. Nur wir. Das Einzige, was wir sehen, sind Sterne. Das Einzige, was wir hören, ist das Wiederkäuen der Kuh am Zaun. Jetzt nach dem Essen sind wir endgültig platt und krabbeln in unseren eiskalten Opi in unsere Schlafsäcke. Gute Nacht.

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